Das Max-Morlock-Stadion wird am Dienstag gut gefüllt sein, wenn der 1. FC Nürnberg im Achtelfinale des DFB-Pokals den VfL Wolfsburg erwartet. Für den 1. FCN läuft es aktuell in der 2. Bundesliga richtig gut, nach dem 2:1 im Spitzenspiel bei Union Berlin vom Freitag hat man auf das Leader-Duo aus Düsseldorf und Kiel aufgeschlossen und überwintert auf Relegationsrang Drei. Die Franken steuern also zielstrebig dem ausgerufenen Saisonziel entgegen, nach vier Jahren endlich wieder zur Beletage des deutschen Fußballs zu gehören. Und dies, obwohl sich die Franken vor heimischem Publikum deutlich schwerer tun als auf fremdem Terrain. Der DFB-Pokal dagegen ist für die Franken nur schmückendes Beiwerk im Saisonprogramm, seit sechs Jahren ist spätestens im Achtelfinale Schluss mit lustig. In den ersten beiden Runden behielten die Jungs von Coach Michael Köllner bei den unterklassigen Teams MSV Duisburg (2:1) und Vfl Osnabrück (3:2) knapp die Oberhand.

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Bei den Gästen aus Niedersachsen läuft das Ganze komplett seitenverkehrt. In der Bundesliga stellen die Wolfsburger die unerreichten Unentschieden-Könige dar. Bereits zehn Punkteteilungen aus sechzehn Partien verhindern das Aufschließen an das obere Tabellendrittel. Mit Sicherheit hatte man in der VW-Stadt vor der Saison mindestens mit einem Auge in Richtung Europa geschielt, dies wird man sich aber bereits zur Hälfte der Saison gründlich abschminken können, zumal das Match in Köln nicht unverdient mit 0:1 verloren ging. Dagegen kann der DFB-Pokal mit Fug und Recht als Lieblingswettbewerb des VfL bezeichnet werden. Nicht nur, weil die Wolfsburger den Cup in der Saison 2014/15 durch einen 3:1-Finalerfolg über den BVB für sich entscheiden konnten. Seit 2012/13 waren bei einem vorzeitigen Ausscheiden ausschließlich die deutschen Top-Teams Bayern München (3x, Halbfinale 2012/13, 2. Runde 2015/16, Achtelfinale 2016/17) und Borussia Dortmund (1x, Halbfinale 2013/14) Endstation. Somit dürfte der heutige Gegner aus Nürnberg keinerlei Gefahr für den Einzug in das Viertelfinale bedeuten. In den ersten beiden Runden dieser Saison gab es zwei hauchdünne 1:0-Erfolge gegen die norddeutschen Kollegen des Regionalligisten Eintracht Norderstedt und Hannover 96.

1. FC Nürnberg – VfL Wolfsburg Tipp: Fakten, Direktvergleich und Aufstellung

Der Liga gilt wohl aktuell das Hauptaugenmerk bei den Nürnbergern, dabei profitieren sie aber vor allem von ihrer Auswärtsstärke (sechs Siege aus acht Spielen). Zuhause klappt´s weniger gut (nur vier Erfolge bei neun Auftritten). Im DFB-Pokal gab es in den 2000er-Jahren bisher nur ein herausragendes Ereignis, in der Saison 2006/07 holte man sich im Finale gegen den VfB Stuttgart mit einem 3:2 n.V. den Pott. Ansonsten konnten die Franken nur in 2010/11 das Viertelfinale erreichen und über den Winter hinweg im Teilnehmerfeld verbleiben. Seit dem Erfolg 2007 hat man auch nur noch ein einziges Heimspiel im DFB-Pokal gewonnen (5:1 Düsseldorf, 2015/16).

Die Wolfsburger sind die wahren Cracks im DFB-Pokal. Wie erwähnt lassen sie sich nur stoppen, wenn die Losfee ihnen den Branchenprimus Bayern München oder den Teilzeit-Kronprinzen Borussia Dortmund zulost. Alle anderen Gegner, wie auch die Clubberer des FCN, stellten zuletzt keine wirklichen Hürden dar. Von den letzten 15 Auswärtspartien im Pokal gewann der VfL zwölf, dabei ging es nur ein Mal in die Verlängerung (5:4 n. V. Darmstadt, 2014/15). Die beiden bisherigen Runden in dieser Spielzeit blieb man ohne Gegentor, wobei beim knappen 1:0 gegen den drei Klassen tieferen Kontrahenten aus Norderstedt eine böse Überraschung durchaus möglich schien.

Ein direktes Aufeinandertreffen im Pokal-Wettbewerb gab es nur 1998/99, als der VfL vor heimischem Publikum den „Club“ in der 2. Runde mit 2:0 n. V. aus dem Rennen warf. Aus den Duellen FCN – VfL in der Bundesliga lassen sich leichte Tendenzen pro Nürnberg erkennen. Aus den letzten zehn Vergleichen holten sie fünf Siege, nur zwei Mal entführten die Wolfsburger die Punkte aus dem Süden Deutschlands. Nachdem dies aber ein Pokalspiel ist und der VfL hier das Spezialisten-Diplom vorweisen kann, dürften die Vorteile wohl doch bei den Gästen liegen.

1. FC Nürnberg Aufstellung (so könnten sie spielen):

Torwart: Kirschbaum
Abwehr: Valentini, Ewerton, Margreitter, Leibold
Mittelfeld: Behrens, Möhwald, Kammerbauer
Sturm: Salli, Ishak, Werner

VfL Wolfsburg Aufstellung (so könnten sie spielen):

Torwart: Casteels
Abwehr: Verhaegh, Uduokhai, Knoche, William
Mittelfeld: Guilavogui, Arnold, Didavi, Malli, Gerhardt
Sturm: Gomez

Schafft der VfL den Sprung nach Europa?

Der FCN wird wohl für den Cup-Spezialisten aus Wolfsburg trotz des aktuell guten Laufs der Nürnberger kein Stolperstein sein. Für den VfL stellt der DFB-Pokal auch die einzige Möglichkeit dar, in der kommenden Saison einen Platz in einem europäischen Wettbewerb zu ergattern. Nachdem mit der Diesel-Affäre die Sponsorengelder des Automobilkonzerns VW deutlich zusammengestrichen wurden, wird man bei den Niedersachsen auf solche europäischen Teilnahmen existenziell angewiesen sein. Der Einzug in das Viertelfinale ist also Pflicht!