Zum letzten Heimspiel im Jahr 2017 hat der VfB Stuttgart in der schon längst ausverkauften Mercedes-Benz-Arena den Herbstmeister FC Bayern München zu Gast. Dieses Süd-Derby ist für die Schwaben traditionell eines der wichtigsten Heimspiele einer Saison. Gegen sie hat der VfB auch die meisten Partien aller deutschen Mannschaften gespielt (114 Duelle). Die Brisanz dieses Klassikers wird aktuell vor allem dadurch erhöht, dass die Bayern seit sieben Jahren sämtliche Derbys, egal ob in Stuttgart oder in München, ausschließlich für sich entschieden. Somit brennen also die Jungs von Trainer Hannes Wolf darauf, dieser Horror-Serie endlich ein Ende zu bereiten. Besonders motiviert sein wird auf Seiten der Schwaben Ex-Nationalspieler Holger Badstuber, der zu Beginn der Saison von den Bayern weggeschickt worden war und in Stuttgart eine neue sportliche Heimat fand.

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Für den VfB wird es aber in diesem letzten Match vor der Winterpause nicht nur darum gehen, endlich mal wieder gegen die Bayern zu punkten, sondern auch endlich den aktuellen Absturz zu stoppen. Seit drei Spielen sind sie punkt- und torlos, nur noch zwei Punkte Vorsprung auf den HSV auf Relegationsrang 16 sind die direkte Folge aus dieser Negativserie. Bei den Bayern dagegen läuft alles wie geschmiert, einzig die 1:2-Niederlage in Mönchengladbach Ende November trübt so ein kleines bisschen den hervorragenden Gesamteindruck. Trainer Heynckes versteht es ganz gut, seine Jungs auf die entsprechenden Aufgaben zu fokussieren und durch die Rotation in den Aufstellungen alle Top-Stars bei Laune zu halten. Ein gewisses Restrisiko wird es aber für die Münchener bei ihrem Gastspiel in der Schwaben-Metropole dennoch geben. Einerseits steht nur wenige Tage später das wichtige DFB-Pokal-Match gegen die unter dem neuen Trainer Peter Stöger wohl wiedererstarkten Dortmunder an. Andererseits sind die Stuttgarter das saisonübergreifend heimstärkste Team der ersten und zweiten Bundesliga im Jahr 2017. Einzig den Leverkusenern gelang vor Wochenfrist beim 2:0-Erfolg ein Dreier in der Mercedes-Benz-Arena. Nachdem Derbys sowieso immer schon eigene Geschichten schreiben, darf man gespannt sein, ob die Jungtalente aus dem Ländle den Bayern die Weihnachtsfeier vermiesen.

VfB Stuttgart – FC Bayern München Tipp: Fakten, Direktvergleich und Aufstellung

Die Tachonadel zeigt bei den Stuttgartern gegen Ende der Hinrunde eindeutig nach unten. Es scheint ihnen Richtung Winterpause hin echt die Puste auszugehen. Die letzten drei Partien gingen ohne einen einzigen eigenen Treffer verloren (0:1 Bremen, 0:2 Leverkusen, 0:1 Hoffenheim). Diese Abschlussschwäche rührt auch von der aktuell prekären Personalsituation im Angriff her, mit Akolo, Mané, Donis und Ginczek fehlen vier Stammkräfte verletzt. Bis vor Wochenfrist waren die Heimspiele immer eine Art Lebensversicherung für die Schwaben, da sechs Partien vor heimischem Publikum 16 Punkte bedeuteten (5 Siege, 1 Remis), aber die Leverkusener zerstörten am vergangenen Freitag mit dem 2:0 auch diesen Nimbus.

Bis auf das erwähnte 1:2 in Mönchengladbach und einem 0:2 gegen Hoffenheim noch in der Ancelotti-Ära hielten sich die Bayern in ihren Auswärtspartien ziemlich schadlos, lediglich beim 2:2 unter Interims-Coach Sagnol ließ man sonst noch Punkte auf fremden Plätzen liegen. Aus den neun Matches unter der Führung von Ex-Rentner Heynckes holten sie Münchner acht Siege und nur eine Niederlage. Personell gibt es nur auf der Torhüterposition kleinere Probleme, beim 1:0 Erfolg gegen die fast schon abgestiegenen Kölner stand nach den Ausfällen von Stammkeeper Neuer, Ulreich und Früchtl der reaktivierte Torwart-Trainer Tom Starke im Kasten und Leo Weinkauf aus der zweiten Mannschaft auf der Bank.

Die direkte Bilanz in diesem Süd-Derby sieht für den VfB Stuttgart katastrophal aus. Der letzte Heimsieg datiert aus der Saison 2007/08 (3:1). Nimmt man alle Vergleiche der beiden Teams (inklusive DFB-Pokal), haben die Bayern die letzten 15 Partien allesamt gewonnen. Dabei erspielten sie sich mit teilweise Knaller-Resultaten (4:0, 6:1, 6:3, 5:3) ein Torverhältnis von 44:13. Es gab also lange Zeit außer Prügel nichts mehr zu holen für die Schwaben. Aufgrund der angespannten Personalsituation bei den Schwaben fällt es schwer, daran zu glauben, dass sich das am Samstag verändern wird.

VfB Stuttgart Aufstellung (so könnten sie spielen):

Torwart: Zieler
Abwehr: Pavard, Baumgartl, Badstuber
Mittelfeld: Beck, Özcan, Ofori, Gentner, Ascacibar, Aogo
Sturm: Terodde

FC Bayern München Aufstellung (so könnten sie spielen):

Torwart: Ulreich
Abwehr: Kimmich, Boateng, Hummels, Alaba
Mittelfeld: Martinez, Tolisso, Vidal
Sturm: Coman, Lewandowski, Ribery

Schaffen die Schwaben die Überraschung im Süd-Derby?

Für die Stuttgarter kann an diesem Wochenende vielleicht schon ein Unentschieden gegen die Bayern zu wenig sein, wenn die Konkurrenz im Abstiegskampf weiter so punktet wie zuletzt (Freiburg, Bremen). Da die Bayern aber im Süd-Klassiker immer Volldampf gehen, wird man bei den Schwaben aber wohl auch ein Remis mit Kusshand nehmen. Jedoch wäre bei den aktuellen Bedingungen alles andere als ein souveräner Erfolg des FCB eine faustdicke Überraschung.