Zum Duell Tabellenführer gegen Tabellenschlusslicht kreuzen am Mittwoch in der Allianz Arena der FC Bayern München und der 1. FC Köln die Klingen. Viel unterschiedlicher können Voraussetzungen für ein Spiel der deutschen Fußball-Bundesliga nicht sein. Der vor Kraft und Selbstbewusstsein nur so strotzende Branchenprimus FC Bayern erwartet die nach der enttäuschenden Niederlage im Letzten-Strohhalm-Spiel gegen den SC Freiburg demoralisierten und sich schon jetzt als abgestiegen erklärten Geißböcke aus Köln. Die Münchener sind nach dem glücklichen 1:0 in Frankfurt zum gefühlt 200. Mal Deutscher Herbstmeister und können diese Partie eigentlich vollkommen entspannt angehen. Dass diese Sicherheit und der vielleicht schon auf das wichtige DFB-Pokal gegen Dortmund eine Woche später gerichtete Fokus zu gewissen Nachlässigkeiten führen könnte, wird Trainer Jupp Heynckes mit Sicherheit zu verhindern wissen.

bigstock--206466916
Stockfoto-ID: 206466916
Copyright: anahtiris

Für die Gäste aus Köln wird es darum gehen, den vergangenen Sonntag so schnell wie möglich aus den Köpfen und Beinen zu bekommen. Das absolute Endspiel um die letzte realistische Chance auf den Klassenerhalt hat man im Schneegestöber gegen den Konkurrenten aus Freiburg nach 3:0-Führung in der Schlussphase aus eigener Dummheit (zwei unnötige Elfmeter) noch mit 3:4 verloren. Besonders verblüffend, und zugleich erschreckend, zeigten sich massive körperliche Defizite bei den FC-Jungs. Nach 30 Minuten schienen sie stehend KO und überließen den Breisgauern komplett das Spiel. Eine Ballbesitzquote von 77% und ein Chancenverhältnis von sage und schreibe 19:0 in der 2. Halbzeit für den SC Freiburg waren die Folge. Somit eine vollkommen verdiente Niederlage. Für den Vergleich mit der Effizienzmaschine FC Bayern darf hier nur das Schlimmste befürchtet werden. Selbst eine knappe Niederlage dürfte für den 1. FC Köln als Erfolg gewertet werden. Der neue Geschäftsführer Sport Armin Veh, seit Montag offiziell im Amt, hat nun in einem Interview bereits den Klassenerhalt abgeschrieben und seine Personalplanungen in Sachen neuer Trainer (Interims-Coach Ruthenbeck werden nur geringe Chancen auf eine Dauerlösung eingeräumt) und Spielertransfers in der Winterpause komplett auf einen Neustart in der 2. Bundesliga 2018/19 ausgerichtet. Es bleibt für die leidgeplagten FC-Fans zu hoffen, dass die Abschiedstournee aus dem Fußball-Oberhaus zumindest noch mit dem einen oder anderen Sieg garniert wird.

FC Bayern München – 1. FC Köln Tipp: Fakten, Direktvergleich und Aufstellung

Zuhause stellen die Bayern eine absolute Macht dar. Bei den bisherigen sieben Heimspielen schaffte es nur der VfL Wolfsburg mit einem 2:2 am sechsten Spieltag, einen Punkt zu entführen. Das Torverhältnis von 22:4 spricht ebenfalls eine sehr deutliche Sprache. Bisher haben sie in der Allianz Arena auch nie weniger als zwei Treffer erzielt, was für die abwehrschwachen Kölner keine besonders guten Vorzeichen darstellen wird. Mit acht Punkten Vorsprung auf den RB Leipzig ist die Herbstmeisterschaft bereits jetzt unter Dach und Fach. Mit den Spielen gegen den 1. FC Köln und beim VfB Stuttgart am Wochenende kann dieser Vorsprung bereits schon vorentscheidend ausgebaut werden.

Der 1. FC Köln hat sich außer zwei Unentschieden (0:0 Hannover, 2:2 Schalke) nur Niederlagen abgeholt auf fremden Plätzen. Nur der VfB Stuttgart steht in der Auswärtstabelle noch schlechter da. Zwar darf das 2:2 als letztes Gastspiel durchaus als respektables Ergebnis gewertet werden, jedoch muss nach dem demoralisierenden Einbruch gegen Freiburg befürchtet werden, dass die letzte verbliebene Moral verloren gegangen sein könnte und das 2:2 auf Schalke als Erfolgserlebnis aus den Köpfen verdrängt hat. Das Erreichen eines allerersten Saisonsieges bei den Bayern dürfte fast schon höher als das „Wunder von Bern“ eingeschätzt werden.

Die Kölner sind jedoch sonst kein sehr gern gesehener Gast in München, in den 2000er-Jahren holten die Geißböcke ein Mal einen Dreier (Saison 2008/2009, 2:1) und erkämpften sich bei 11 Vergleichen in diesem Jahrtausend immerhin sechs Unentschieden. So auch in der vergangenen Saison, als man beim 1:1 mit einer Weltklasseleistung von Keeper Horn die Top-Stürmer der Bayern zur Verzweiflung brachte. Viermal gingen in diesem Zeitraum die Münchener als Sieger vom Platz. In der aktuellen Verfassung scheint aber ein Remis für die Ruthenbeck-Jungs wirklich an einem „Wunder von München“ zu grenzen.

FC Bayern München Aufstellung (so könnten sie spielen):

Torwart: Ulreich
Abwehr: Rafinha, Boateng, Hummels, Alaba
Mittelfeld: Martinez, Tolisso, Müller
Sturm: Coman, Lewandowski, Ribery

1. FC Köln Aufstellung (so könnten sie spielen):

Torwart: T. Horn
Abwehr: Olkowski, Sörensen, Heinz, J. Horn
Mittelfeld: Jojic, Lehmann, Özcan
Sturm: Klünter, Guirassy, Bittencourt

Wird es zweistellig in der Allianz Arena?

Wenn man sich die vollkommen unterschiedlichen Aggregatszustände der beiden Teams ansieht, hier die Vollgas-Bayern und da die Kölner mit Energie für gerade mal 30 Minuten Power-Fußball, dann kann einem Angst und Bange werden. Machen die Heynckes-Schützlinge ernst, dann ist auch ein zweistelliger Sieg vorstellbar. Wenn selbst die sonst eher offensivschwachen Freiburger 19 Torchancen in 45 Minuten hinbekommen, was wird der FC Bayern erst aus der erwartbaren Einbahnstraßen-Partie machen? Wackelt der Rekordsieg (11:1 gegen Dortmund im November 1971) des FCB in der Bundesliga?