Die Volkswagen-Arena wird am Dienstag wahrscheinlich ausverkauft sein, wenn der VfL Wolfsburg das Spitzenteam des RB Leipzig empfängt.Für die Wolfsburger bedeutet dieser Vergleich auf „Plastikebene“ eine gute Chance, sich die Abstiegskonkurrenten, die am vergangenen Wochenende fast durchweg punkteten, vom Leib zu halten. Sowohl der V(W)fL als auch der „Red Bull“-gesponserte RasenBallsport-Klub leben und sterben vom Geld, das ihnen finanzstarke Industrie-Unternehmen zur Präsentation der eigenen Marke überlassen. Dass man dies aber in sehr unterschiedlicher Qualität, Professionalität und Konsequenz unternehmen kann, zeigen die recht ungleichen Saisonverläufe der beiden Teams.

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Für die Niedersachsen ist nach dem VW-Diesel-Skandal und deswegen deutlich reduziertem Budget Schmalhans Küchenmeister und man blickt im grauen Mittelfeld der Liga eher nach hinten als nach vorne. Dementgegen gelingt es dem sportlichen Management rund um Mastermind Ralf Rangnick, aus den vorhandenen Mitteln das Optimum herauszuholen. Auch der Trainerwechsel beim VfL im Spätsommer vom Niederländer Andries Jonker auf den Schweizer Martin Schmidt bedeutete insgesamt nur einen Sprung von Tabellenrang 14 auf 11, der auch die bisherige Top-Platzierung der Saison darstellt. Selbst die noch verbliebenen Starspieler wie Mittelstürmer Mario Gomez und der vom FC Liverpool ausgeliehene Divock Origi können an diesem Umstand nur unzureichend etwas ändern. Dagegen setzt am bei den Sachsen wie gewohnt sehr auf junge, talentierte und entwicklungsfähige Profis, die zwar vor allem in den Partien gegen abgezockte Spitzenteams noch Lehrgeld zahlen müssen (siehe UEFA Champions League oder Niederlagen in Meisterschaft und Pokal gegen den FC Bayern), aber ansonsten durch ihr druckvolles Offensiv-Pressing und ihr schnelles Spiel nach vorne so ziemlich jedem Gegner ordentliche, teils unlösbare Probleme bereiten. Für die Leipziger wäre ein Sieg in der VW-Arena absolut notwendig, um die Titel-Konkurrenten von der Isar nicht schon in uneinholbare Regionen enteilen zu lassen (aktuell acht Punkte Rückstand).

VfL Wolfsburg – RB Leipzig Tipp: Fakten, Direktvergleich und Aufstellung

Der genannte Trainerwechsel von Jonker auf Schmidt hatte für den VfL Wolfsburg zumindest den Vorteil, dass man seither nur noch die Partie beim FC Augsburg am 13. Spieltag mit 1:2 verlor. Jedoch ist unter dem Schweizer Coach das Unentschieden scheinbar zum Pflichtresultat geworden. Die bisher gespielten elf Partien unter ihm führten zu insgesamt acht Punkteteilungen, die bei der Drei-Punkte-Regel auf die Dauer nur wenig zielführend sind. Der VfL verlor zwar das Auftakt-Heimspiel gegen die damals noch sehr furiosen Dortmunder Borussen mit 0:3, das blieb dann aber auch die einzige Heimpleite. Die nächsten fünf Partien in der VW-Arena endeten Remis, die letzten beiden wurden schließlich teilweise recht überzeugend mit 3:1 gegen Freiburg und 3:0 gegen Mönchengladbach gewonnen. Personell kann Coach Schmidt aus dem Vollen schöpfen.

Die vielleicht einzig wirkliche Schwäche der Leipziger dagegen sind wohl die Auswärtspartien in der Bundesliga. Die Hälfte der bisherigen Gastspiele ging verloren, dabei schafften es die Bullen in keiner der Partien, ein Tor zu erzielen (0:2 Schalke, 0:1 Augsburg, 0:2 Bayern, 0:4 Hoffenheim). Dabei verloren sie aber nie zwei Mal nacheinander. Nachdem das 0:4 bei der TSG 1899 das letzte Spiel auf gegnerischem Platz war, dürften nach dem Gesetz dieser Serie die Rangnick-Schützlinge mit mindestens einem Punkt beim VfL rechnen. Mit Ausnahme der Mittelfeldstrategen Keita und Ilsanker und Rechtsaußen Sabitzer hat auch Coach Hasenhüttl alle wichtigen Jungs an Bord.

Da der RB Leipzig noch ein Liga-Frischling ist und erst letzte Saison erstmalig in die Beletage des deutschen Fußballs aufstiegen, sieht die direkte Bilanz mit dem VfL noch etwas dürftig aus. Dabei fällt jedoch das kleine Kuriosum auf, dass in beiden Vergleichen in 2016/17 jeweils das Auswärtsteam mit 0:1 gewann. Ob das nun eine relevante Größe im Spiel der Remis-Könige aus Wolfsburg gegen die zu Auswärtspleiten neigenden Leipziger darstellen wird, muss sich zeigen.

VfL Wolfsburg Aufstellung (so könnten sie spielen):

Torwart: Casteels
Abwehr: Verhaegh, Brooks, Bruma, William
Mittelfeld: Origi, Didavi, Arnold, Malli, Guilavogui
Sturm: Gomez

RB Leipzig Aufstellung (so könnten sie spielen):

Torwart: Gulacsi
Abwehr: Klostermann, Orban, Upamecano, Halstenberg
Mittelfeld: Kaiser, Laimer, Kampl, Forsberg
Sturm: Werner, Augustin

Wer entscheidet das Millionengeber-Duell für sich?

Bleibt man bei den Hauptsponsoren, stellt sich am Dienstag die Frage, ob Diesel oder Red Bull der zuverlässigere und bessere Treibstoff ist. Der Diesel läuft, läuft und läuft zwar recht stabil, holt eichhörnchenmäßig Punkt für Punkt aber gegen das flügelverleihende Red Bull wird hier womöglich kein Stopp-Signal und kein vor dem Tor geparkter VW-Diesel-Bus helfen. Die Schnelligkeit und Spritzigkeit der Turbo-Stürmer aus Sachsen werden wohl den Ausschlag pro RB geben.