Am Sonntag treten zum Auftakt der Rückrunde in Österreichs Oberhaus der SCR Altach und die Wiener Austria in der Cashpoint-Arena an. Beide Teams haben sich den Saisonverlauf wohl komplett anders vorgestellt. Nachdem sowohl der SCR als auch die Violetten sich letztes Jahr für die europäischen Wettbewerbe qualifizierten, zählten sie auch zu Beginn dieser Spielzeit zum engeren Favoritenkreis neben den Branchenprimus RB Salzburg.

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Jedoch blieben sowohl die Altacher und die Wiener deutlich hinter den Erwartungen zurück. Die Hausherren scheiterten in der vierten Runde der Europa League-Qualifikation knapp an Maccabi Tel Aviv und das Abschneiden der Austria in der Hauptrunde dieses Wettbewerbs kann nach dem indiskutablen 0:0 vom Donnerstag im Heimspiel gegen AEK Athen und dem letzten Tabellenplatz, sogar hinter dem Außenseiter von HNK Rijeka, nur als blamabel bezeichnet werden. In der Liga sieht es für beide nicht besser aus, Altach hängt seit September durchgehend auf dem 7. Tabellenplatz fest und für die Austria geht es nach fünf Niederlagen aus den letzten acht Partien wohl nur noch darum, den Anschluss an die Spitzengruppe nicht komplett zu verlieren. Denn das würde auch bedeuten, dass der Traditionsklub aus Wien das Saisonziel Europa sehr deutlich verfehlen würde.

Seit dem 0:0 gegen AEK Athen am Donnerstag herrscht zudem wieder „Bombenstimmung“ in der Führungsetage. Trainer Thorsten Fink beschwerte sich öffentlich über die seiner Meinung nach verfehlte Transferpolitik des Vereins, Sportdirektor Franz Wohlfahrt reagierte umgehend und rüffelte seinerseits seinen Coach für dessen öffentlich gemachten Äußerungen. Wer die Szene in der Hauptstadt kennt, weiß, dass dieses Pulverfass leicht zum Explodieren gebracht werden kann. Man wird sehen, ob diese Querelen sich auch auf die Mannschaft auswirken, die aufgrund der vergangenen Ergebnisse nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzen wird. Vielleicht ein Vorteil für Altach, bei denen diese Woche die Meldung rauskam, dass sie sich mit Wolfgang Luisser einen neuen Co-Trainer geangelt haben.

SCR Altach – Austria Wien Tipp: Fakten, Direktvergleich und Aufstellung

Der SCR Altach hat zwar das erste Aufeinandertreffen der beiden Teams beim Auftaktspieltag mit 3:0 souverän für sich entschieden, danach aber die nächsten drei Matches sang- und klanglos verloren. Seither zeigen sie sich konstant inkonstant. Serien von ungeschlagenen und sieglosen Spielen wechseln sich ab, was die Mannschaft seit September auf den siebten Platz festnagelt. Die Tendenz aus den letzten sechs Heimspielen mit jeweils zwei Siegen, Unentschieden und Niederlagen passt hier sehr gut ins Bild. Dagegen konnte die Austria auswärts seit Anfang Oktober nur noch einen einzigen Dreier einfahren, und dies vor drei Wochen bei den abstiegsbedrohten Wolfsbergern. Der Sturz von Platz eins zum 10. Spieltag auf den jetzigen vierten Platz ist die Folge davon. Das letzte Auswärtsspiel vor zwei Wochen gegen das abgeschlagene Team aus St, Pölten ging sogar völlig indiskutabel mit 0:1 verloren.

In den direkten Vergleichen spricht die Tendenz klar für die Gastgeber. Bei den letzten 10 Heimpartien gegen die Violetten blieben sechs Mal die Punkte in der heimischen Cashpoint-Arena, drei Mal blieb ein Remis am Ende stehen und nur ein Mal konnte sich die Austria den Sieg holen (Saison 15/16, 1:2). Dieses Match war auch das einzige, bei dem sie den Altachern mehr als ein Tor einschenken konnten. Dagegen muss man in den Annalen schon etwas weiter zurückblicken, um eine Heimpartie der Vorarlberger zu finden, in der sie gegen die Hauptstädter ohne eigenen Torerfolg blieben (Saison 09/10, 0:1).

Während die Altacher vor allem im Mittelfeld mit Verletzungsproblemen zu kämpfen haben, da Dobras und Prokopic länger ausfallen und zudem Stammkeeper Lukse mit einer Schulterverletzung langfristig fehlt, beklagen die Gäste aus Wien eine Personalnot im Defensivbereich. Mit Heiko Westermann, Ruan, Borkovic, Martschinko und dem Ex-Stuttgarter Florian Klein vermisst man gleich fünf Stützen aufgrund von Verletzungen. 15 Gegentore aus den letzten acht Ligaspielen verdeutlichen die Auswirkungen des Personalschwundes.

SCR Altach Aufstellung (so könnten sie spielen):

Torwart: Kobras
Abwehr: Lienhart, Netzer, Zech, Schreiner
Mittelfeld: Gebauer, Nutz, MĂĽller, Piesinger, Honsak
Sturm: Grbic

TSG Hoffenheim Aufstellung (so könnten sie spielen):

Torwart: Hadzikic
Abwehr: Gluhakovic, Mohammed, Jonovic, Salamon
Mittelfeld: Serbest, Prokop, Holzhauser
Sturm: Venuto, Friesenbichler, Pires

Verliert die Austria den Anschluss nach oben?

Für den Traditionsklub aus Wien wird das ein sehr wichtiges Spiel werden. Bekommen sie nach den enttäuschenden Resultaten der vergangenen Wochen und dem sang- und klanglosen Ausscheiden aus der UEFA Europa League den Turnaround hin und können einen wichtigen Auswärtssieg landen? Alles andere wäre eine Enttäuschung und würde den Christbaum der Violetten wohl zum Brennen bringen. Die Altacher werden ihre Vorteile aus den vergangenen Vergleichen gut zu nutzen wissen und die frustrierten Wiener mit einem Sieg noch mehr ins Chaos stürzen. Und damit womöglich den Zoff zwischen Trainer Fink und Sportdirektor Wohlfahrt eskalieren lassen.