Spanien ist wieder wer. Spanien ist wieder genau das, was man sehen will, wenn man deren Spiele einschaltet. Nach dem van Persie gegen Casillas den wahrscheinlich perfektesten Kopfball der Fuball-Historie zelebrierte und Spanien später so ausschied, wie man es niemals erwartet hätte, tat der Verband das, was keiner erwartet hätte. Nämlich nichts.

Del Bosque immer noch der Boss

salajean
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Chefcoach Del Bosque, der an Thomas Schaaf zu seinen besten Zeiten erinnert, zumindest in Bezug auf seine stoische Ruhe, durfte bleiben. Er machte auch genau so weiter wie bisher. Und was folgte, waren gute Ergebnisse und eine gute Qualifikation.

Und zuletzt? Zwei Testspiele, neun Tore und zwei Gegentreffer. Gegen die zuvor in 16 Spielen unbesiegten Südkoreaner wurden mit 6:1 abgefertigt, Nolito von Celta Vigo steuerte zwei Treffer bei. Moment. Nolito? Wer? Und was ist Vigo? Eben genau das, was der spanische Fußball auch kann – nämlich mehr zu sein, als bloß Real, Atlético oder Barca.

Nolito ist der Gitarrenschredderer des Orchesters

“Deine Mutter” Witze sollte man über Nolito nicht machen. Denn seine Mutter saß tatsächlich schon im Gefängnis. Nolito wuchs in armen Verhältnissen bei seinen Großeltern auf, seine Fußballerkarriere startete mit gehörig Verzögerung. Und heute wird seine Spielweise als “Rock’n’Roll zwischen all den Violinen” bezeichnet.

Nolito erzielte in 29 Ligaspielen für Celta Vigo 12 Treffer. Eigentlich keine überragende Trefferquote, und eben trotzdem ist Nolito das, was ein Kader wie der der Spanier gebrauchen kann. Etwas anderes, unvorhersehbares, variables. Der 29-jährige liefert die Straßenkicker-Atmosphäre, die es manchmal braucht, wenn einem Team gegen eine sehr defensiv eingestellte Mannschaft nichts mehr einzufallen droht.

Spanien war zu sehr Barcelona – und ist es nun noch mehr

Nahezu die Hälfte der nominierten Spieler für die EM Endrunde spielen bei Barca, oder haben die Nachwuchszentren von Barcelona durchlaufen. Das zeichnet sich mehr denn je in der Spielweise der Nationalmannschaft ab, wenngleich der Coach darauf achtet, die Systeme auch während des Spiels durchzutauschen. Damit will er variabler sein und gleichzeitig das gewinnbringende “Etwas”, das nur der spanische Fußball zu verkörpern weiß, nämlich die schnellen Passstafetten, weiter hervorheben.

Casillas oder de Gea?

Eine Frage, die man objektiv beantworten muss. Denn auch wenn Iker Casillas es verdient hätte, seinen Stammplatz auch bei der EM 2016 in Frankreich zu behalten, ist de Gea auf Sprungdistanz. De Gea bewies vergangene Saison wieder einmal seine Qualitäten und ist längst bereit dazu, das spanische Tor zu hüten.

Del Bosque wird sich wahrscheinlich auch für de Gea entscheiden, denn er arbeitet an einem sanften Übergang. Damit meint er, auf Spieler wie Juan Mata, Javier Martinez und Fernando Torres zu verzichten und sich für jüngere Spieler zu entscheiden. Oder, wie an Nolito zu sehen, für Spieler, welche dem Kader eine neue Wirkung verleihen können – und sei es nur als Joker, sollte es einmal brenzlig werden.