Der Équipe Tricolore ist die Generalprobe geglückt. In Metz fertigte man Schottland mit 3:0 ab, vor allem Olivier Giroud zeigte mit zwei Treffern eindrucksvoll, wie wichtig er für die Mannschaft ist. Nach den Reibereien aus den letzten Wochen um die nicht nominierten Spieler, schaffte die Équipe das, worauf es ankommt: Mit einer Glanzleistung alle Diskussionen zu beenden.

Deschamps ist bereit

em 2016 favoritenDidier Deschamps war zu seiner Zeit ein begnadeter Taktiker. Im defensiven Mittelfeld zog der Rechtsfuß die Fäden und unterstütze mit seiner enormen Fähigkeit zur Antizipation die kreativen Ideen von Mitspielern wie Zidane, Dugarry und Djorkaeff. Auch wenn die Franzosen in ihrer Liebe für Deschamps ab und an zu schwanken wagen, ist man grundsätzlich doch sehr zufrieden mit dem, was der kleine General auf die Beine gestellt hat.

Payet ist der französische Jamie Vardy

Der Freistoßspezialist von West Ham United war auf einmal da und keiner wusste so genau, woher er kam. Die Hammers sind bei weitem nicht eine Mannschaft, die man auf dem Zettel hat, wenn es um talentierte Spieler geht. Und mit seinem Alter von 29 Jahren ist Dimitri Payet auch nicht unbedingt in dem Alter, in welchem man anfängt, von einer großen Karriere zu träumen. Spätestens seit Phänomen Jamie Vardy von Leicester ist aber klar, dass Dado Prso kein einmaliger Zufall war.

Payet wechselte vergangene Saison von Olympique Marseille in die Premier League und zeigte direkt in seiner ersten Saison bei West Ham, was in ihm steckt. In dreißig Ligaspielen erzielte er neun Treffer und konnte 12 weitere vorbereiten.

Sein Leistungssprung brachte nun auch niemand geringeres als Zidane ins Gespräch, der Payet gerne zu Real Madrid lotsen würde. Ob als Ersatz für Modric oder Kroos ist indes nicht bekannt. Wer wenn nicht Zizou kann einschätzen, wann ein Wechsel zu einem Spitzenklub Sinn macht? Payet selbst hält sich noch bedeckt – eine erfolgreiche EM würde ihn nicht nur teurer machen, sondern auch das Interesse verschiedenster Vereine wecken.

Die Équipe Tricolore ist endlich wieder ein Team

Was gab es nicht für Grabenkämpfe in den letzten Jahren. Manch einer erinnert sich vielleicht noch an Yoann Gourcuff und die Posse um die Grüppchenbildung 2010. Im Kader soll es “Hochnäsigkeiten” gegeben haben, da Gourcuff aus einem Akademikerhaushalt kam und eine gute Bildung genossen hatte – was ihm von anderen Spielern, die es nicht so einfach hatten, angekreidet wurde. 2012 folgte eine ähnliche Geschichte, wieder Grüppchenbildung bei den Bleus, diesmal ging es um die Kapitänsbinde. Bei der WM 2014 war etwas ruhiger im Kader, was aber immer noch nicht darüber hinwegtäuschte, dass der bedingungslose Zusammenhalt noch nicht zu sehen war.

Macht Deschamps bald den Schampus auf?

2016 soll alles anders werden. Deschamps entschied rigoros, wer mitkommt und wer nicht. Ein Samir Nasri, der sich oft beschwert und für Unruhe sorgt, wurde gar nicht erst beachtet, Benzema trotz Top-Fitness nicht nominiert und Ribéry bleibt auch außen vor.

Gelingt Deschamps so vielleicht eine Truppe, die sich ohne die ganz großen Allüren zusammenrauft? Es sieht zumindest ganz danach aus, die letzten Ergebnisse sind gut, die Spielweise sehr ansehnlich. Mit der Gruppe A und Gegnern wie der Schweiz und Rumänien hat man eigentlich das Achtelfinale schon sicher. Und wenn alles so läuft wie geplant, kann man bald die Champs-Élysées in Deschamps-Élysées umtaufen.