Belgien war lange Zeit in Vergessenheit geraten, wenn es um die Fußballkunst ging. Den meisten Deutschen war vermutlich vor allem Wilmots bekannt, auf Schalke auch liebevoll „Kampfschwein“ genannt. Eben dieser ist es nun, der eine Mannschaft voller Supertalente zur EM führt nachdem man bereits bei der WM einiges an Aufmerksamkeit und Respekt bekommen hatte. Doch ist das nur ein Hype oder wirkliche eine „Goldene Generation“?

Pech in Brasilien

@bigstockphoto Bombaert Patrick
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In Brasilien hatte Belgien viel Pech. Sie schieden knapp gegen den späteren Finalisten Argentinien aus und viele fragen sich bis heute wie das Spiel ausgegangen wäre, wenn sich Benteke in der Saison nicht schwer verletzt hätte, so dass man einen damals in Topform spielenden Stürmer dabei gehabt hätte. Die Alternativen damals waren einfach zu jung und unerfahren um gegen die wirklich gut stehende Abwehr Argentiniens zu bestehen.

Souverän zur EM

Die Qualifikation zur Europameisterschaft in Frankreich verlief insgesamt nach Plan, schließlich wurde Belgien Gruppensieger. Die einzige Niederlage gab es in Wales gegen die überraschend starken Waliser, die knapp hinter Belgien zweiter in dieser Gruppe wurden. Auch wenn alle auf mehr hoffen, so war die Qualifikation bereits der erste Erfolg, war man doch das letzte Mal im Jahr 2000 bei einer EM dabei. Unglaublich, aber wahr, Belgien überstand das letzte Mal 1980 die Gruppenphase, also vor 26 Jahren.

Die Superstars

Inzwischen gibt es in diesem Team nicht nur junge Talente, sondern auch zunehmend weit entwickelte Stars, die in ihren Clubs eine zentrale Rolle spielen. Der vielleicht größte Name ist ein alter Bekannter mit dem Namen De Bruyne. Seit seinem Wechsel zu Manchester City hat er sich zum Superstar entwickelt. Er musste zwar eine längere Verletzung hinter sich bringen, aber nach seiner Rückkehr wurde er schnell wieder zum Dreh- und Angelpunkt der Offensive bei City.

Um im offensiven Mittelfeld zu bleiben, muss man auch Eden Hazard nennen, der eine überragende letzte Saison spielte, aber eine sehr schwierige Saison 2015/2016 hatte beim FC Chelsea. Ob es nun an der persönlichen Form lag oder an der allgemein schlechten Saison der Blues, lässt sich natürlich nur schwer sagen, aber bei ihm wird es entscheidend sein ob man den „alten“ Hazard zu sehen bekommt oder nicht. Mit seinem Chelsea Teamkollegen Courtois hat Belgien auch noch einen der besten Torhüter Europas zwischen den Pfosten.

Im Sturm gibt es gleich zwei Shooting Stars. Romelu Lukaku war bereits als ewiges Talent verschrien und bei Everton schon von manchen als Fehleinkauf bezeichnet worden, doch dann zeigte er eine wahre Leistungsexplosion in dieser Saison. Das Ergebnis waren 18 Tore und 6 Vorlagen für Everton in dieser Saison, allerdings schwächelt er immer mal wieder bei der Nationalelf. Sein potenzieller Partner wäre erst 20 Jahre alt, nämlich Divock Origi vom FC Liverpool. Unter Klopp konnte das Supertalent seine schlechte Saison bei Lille verarbeiten und er hat sich dabei vor allem physisch extrem entwickelt. Seit Januar 2016 zeigt er zunehmend sein Talent und vor allem gegen Borussia Dortmund seine Torgefahr. Belgien scheint hier nicht mehr viel von einem Stürmerproblem erkennen zu lassen.

Eine zentrale Rolle wird jedoch Vincent Kompany bekommen. Ähnlich wie bei Manchester City, erwartet man auch bei der Nationalmannschaft, dass er zum Dreh und Angelpunkt in der Abwehr wird. Die Charaktereigenschaften und die fußballerischen Fähigkeiten dazu hat er und seine Verletzung scheint er auch abgelegt zu haben.

Viel positive Entwicklung

Sinnbildlich für die Weiterentwicklung der Spieler stehen die defensiven Optionen, die sich bei Tottenham noch einmal entwickeln konnten und so die Londoner sogar im Rennen um die Meisterschaft halten. Vertonghen ist der ideale Partner für Kompany und vor der Abwehr hat man mit Demebele von Tottenham und Nainggolan vom AS Rom zwei absolute Topspieler, die sich beide toll entwickelt haben.

Die Schwächen

Die Schwäche bleibt eher das Zusammenspiel von so viel Talent. Es gab einige Spiele, da wirkte das Team sehr fantasielos, vor allem im Spiel nach vorn. Hier werden vor allem Hazard und De Bruyne gefragt sein. Ähnliche Probleme mit Konstanz hatte auch der vom Potenzial her extrem gute Sturm. Lukaku zeigte bei der Nationalmannschaft nicht die Konstanz, die man bei Everton sah und Origi bekam nicht sehr viele Chancen.

Die realistischen Chancen

Eines der Teams, die kaum einzuschätzen sind. Sie müssen zu den Favoriten gezählt werden, aber noch fehlt hier der Leader, der alle nach vorn treiben kann wie es Schweinsteiger bei der WM tat. Schaffen sie es von Beginn an „ins Rollen“ zu kommen, dann vom Potenzial so ziemlich alles drin.

Schaut man sich die Einschätzungen der Wettanbieter an, dann wird deutlich, dass auch diese nicht so ganz wissen wie man das Team einschätzen sollte. Die Quoten schwanken von einer 10,00 bis zu einer sehr guten 13,00 bei NetBet.com und anderen Anbietern. Wer etwas Mut hat, der sollte die 13,00 ausprobieren, denn das ist eindeutig ein Unterschätzen dieses Teams, insbesondere weil die anderen Favoriten alles andere als sorgenfrei sind.