Jogi Löw verkündete unlängst mit leicht finsterer Miene die Ausfälle von Gomez und Khedira. Auch Schweinsteigers Einsatz gegen Frankreich ist noch nicht sicher. Zudem wird Mats Hummels aufgrund einer Gelbsperre nicht mit auflaufen können. Was Löw in solch einer Situation auszeichnet, ist seine unumstößliche Zuversicht. Denn trotz aller Ausfälle sei er sehr positiv, dass man gegen Frankreich ein gutes Ergebnis erzielen würde.

Der Wandel für 2018 ist jetzt!

Vlad1988 / Shutterstock.com
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Was nun ansteht, hätte eigentlich auch schon vorher passieren können. Mit Gomez (30), Khedira (29) und Schweinsteiger (31) sind gleich drei Spieler zu ersetzen, die allmählich am Zenit ihrer Karriere angekommen sind. Natürlich werden sie noch zwei bis vier Jahre auf Top-Niveau spielen können, jedoch ist es irgendwann auch an der Zeit, Platz für die Nachfolgersuche zu machen. Und wo, wenn nicht bei einer EM, kann man passende Antworten auf das baldige Beerben von gesetzten Stammspielern finden?

In Hinblick auf die WM in Russland ist es somit nicht unbedingt schlecht, dass Löw seine eigentlichen Leistungsträger ausgerechnet für ein Halbfinale ersetzen muss. Bereit auf den ersten Einsatz bei einer EM im DFB-Dress der A-Nationalmannschaft stehen Sané, Can und Weigl. Wer das Rennen macht für eine mögliche Position in der Startaufstellung, ist noch völlig offen.

Löw zockt nicht, er kalkuliert

Die WM in Brasilien hat gezeigt, dass Löw bei aller Liebe für junge Talente gewissen Spielern großes Vertrauen entgegenbringt. Auch und vor allem deshalb, weil sie es sich unter seiner Führung auch in Testspielen verdient haben. Ähnliches wiederfährt bei der EM Mario Götze, dessen Talent unbestritten ist – nur seine Stetigkeit wird immer von seinen gezeigten Leistungen in Frage gestellt.

Aufgrund der fehlenden Konstanz rückte Draxler ins Rampenlicht, der gegen die Slowakei ein überzeugendes Spiel machte und gegen Italien nur aufgrund der Umstellung auf eine Dreierkette in der Defensive seinen Platz verlor. Gegen Frankreich wird Draxler somit den Vorzug vor Götze erhalten, wobei FC Bayerns Mario aller voraussicht nach für Gomez als Sturmspitze auflaufen wird.

Can und Weigl kommen beide in Frage, um die defensive Mittelfeldposition neben Kroos zu übernehmen. Wahrscheinlich hat der 22-jährige Emre Can die Nase vorne. Bisher spielte er bei der DFB-Elf nur als Außenverteidiger, beim FC Liverpool ist jedoch defensiver Mittelfeldchef. Weigl ist jung und sehr talentiert, aber wohl noch zu unerfahren, um direkt in einem Halbfinale eingesetzt zu werden.

Kimmich als Vorbild

Der Auftritt von Joshua Kimmich bei der EM in Frankreich verdient bisher allergrößten Respekt. Auch wenn nicht alle Aktionen von Erfolg gekrönt sind und er in der Rückwärtsbewegung den einen oder anderen Fehler macht: Mit seinen gerade einmal 21 Jahren strahlt er eine große Verlässlichkeit aus. Hinzu kommt, dass sein unbändiger Wille bei jedem Ballkontakt zu erkennen ist. Gerade das ist etwas, was man bei Schürrle oder auch teils einem Draxler manchmal vermisst.

Wer es ihm bei der EM oder auch mit Blick auf die WM 2018 gleich tun wird, ist noch nicht ersichtlich. Die Unbekümmertheit, die beispielsweise ein Sané in sich trägt, kann gegen selbstbewusste aber unter Druck stehende Franzosen den nötigen Schwung bringen. Auf der anderen Seite kann eine durchwachsene Leistung des Jungtalents auch viel Kritik im Nachhinein bedeuten.

Deshalb ist davon auszugehen, dass Löw auf altbewährte Kräfte unter den jungen Spielern zurückgreift. Also Draxler, Götze und Can – mit den Backups Weigl und Sané. Wie auch immer Jogi sich entscheiden wird: Es ist an dem gesamten Team zu zeigen, dass Ausfälle von Leistungsträgern ohne Weiteres kompensiert werden können. Das Finale wäre größter Lohn!

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