Eine Meldung, die vielleicht nicht alle erfreuen wird: Stimmungskanone Lukas Podolski denkt offen über seinen Rücktritt aus der deutschen Nationalelf nach. In einem Interview gab der Außenstürmer bekannt, dass bei einem möglichen EM-Gewinn ihm die Entscheidung wie und ob es weitergehe, denkbar einfach fallen würde. Und einfach steht in diesem Fall für „Rücktrittt“.

Vom Shootingstar zum Klassenclown

Löw
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Poldis Kaderplatz für die EM in Frankreich war wahrscheinlich die am hitzigsten diskutierte Nominierung. Bereits 2014 galt Lukas für viele als bloßer Wackelkandidat, der nur mitgenommen wird, weil er für gute Stimmung sorgt. Seine Erfahrung als auch die großen Verdienste für die Nationalmannschaft wiegen für einen Großteil der Kritiker nicht schwer genug, als dass eine Nominierung zu rechtfertigen gewesen wäre. Gleiches nun also auch für die EM 2016.

Was mancher vergessen haben mag: 2006 wurde der Kölsche Jung zum Nachwuchsspieler der WM gewählt. Natürlich stand ihm im Anschluss die Welt offen und eine große Karriere wurde nicht nur prognostiziert, sondern auch erwartet. Von da an ging seine Reise durch Europas Top-Ligen. Nach dem Wechsel zum FC Bayern stand er bei Inter Mailand und Arsenal London unter Vertrag, ehe er zuletzt zu Galatasaray Istanbul wechselte.

Der große Erfolg blieb aus, und dass Lukas ein sensibles Gemüt ist, wird hierbei manchmal ausgeblendet. Vielmehr bescheinigt man ihm, auch aufgrund des ein oder anderen sprachlicher Fauxpas, eine eher einfache Denkstruktur. Schnell wurde er als Witzfigur abgestempelt – was seiner Werbewirksamkeit interessanterweise keinen Abbruch tut.

Sympathie- schlägt Leistungswert

Deutschland verbindet mit Lukas Podolski die WM 2006 im eigenen Land. Die Zeit, in der wir durch den über den Rasen pflügenden Ackergaul mit polnischen Wurzeln und einem Riesenbumms im Fuß bis auf Platz 3 gestürmt sind. Im selben Atemzug wurde auch immer Schweinsteiger genannt, der jedoch spätestens seit seinem Einsatz bei der WM in Brasilien eine neue Ebene der Verehrung erreicht hat. Keiner hat sich so zerrissen für ein Team wie Basti. Keiner wurde auf dem grünen Schlachtfeld so kaputtgetreten wie Schweini. Niemand wurde unrühmlicher (aus deutscher Fansicht) vertrieben vom FC Bayern – für einen gleich alten Spanier, der niemals eine vergleichbare Vereinsikone werden würde. Mit Lukas konnte man lachen, mit Schweini konnte man leiden.

Warum setzt Löw bei der EM wieder einmal auf den streitbaren Spieler, der bereits auf 129 Spiele in der A-Nationalmannschaft zurückblicken kann? Ganz einfach: Lukas ist einer, auf den Verlass ist. Ein Typ zum Pferde stehlen, oder aber für die wilde Prügelei in einer Bar nach zu viel Pils. Poldi wäre nämlich auch einer, der Dich nach dem ganzen Drama vor der Justiz verteidigt.

Gleiches tat er bereits vor den, sagen wir einmal, vorsichtig und halb-justiziar vorgetragenen Journalistenfragen zu Jogis Fingerübungen. Ja genau, eben die Fummeleien, die von der Uefa-eigenen Coach-Cam festgehalten wurden. Podolski stellt sich in der denkbar schwierigsten weil peinlichsten Situation auf Rückfrage eines Reporters mit seiner Antwort so taumelig tappsig an, dass Löws Aktion so gut wie vergessen wird.

Poldi: Der Mister T des A-Teams

Nach der EM ist vor der EM – oder so. Für Poldi ist der Blick auf die WM in Russland zwar interessant, aber eigentlich will er sich mehr auf die Familie konzentrieren. Kurz vor dem Turnierstart wurde seine Tochter Maya geboren, die die nun vier-köpfige Familie komplettiert. Ob er noch einmal die lange Vorbereitung und ein kräftezehrendes Turnier mitmacht, kann er aufgrund seiner Familienbezogenheit nicht sagen.

Poldi ist und bleibt der Animateur, den jede Mannschaft gebrauchen kann. Er ist lustig, immer gut drauf und redet sich in aller Öffentlichkeit um Kopf und Kragen – ihm doch egal. Genauso spielt er Fußball: Voller Energie und immer mit größtmöglicher Kraft.

Dieses charakterstarke Netz an Leistungswille und Gleichgültigkeit ob der taktischen Ausrichtung macht ihn zu dem Spieler, den man immer gerne auf dem Platz sieht. Denn irgendwie hofft man doch insgeheim, dass ihm diesmal die eine ganz große Aktion gelingt, welche seine Mitnahme zu einem Turnier für Jahrhunderte hinweg rechtfertigen wird.

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